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Auf der Schillerstraße nachts um halb zehn

Von einen meiner abendlichen Kontrollgängen zurückkommend entschied ich mich spontan die Schillerstraße zu nutzen. Also bog ich ein in die Dunkelheit einer Straße deren Alleinstellungsmerkmal es ist im – meiner Laufrichtung nach – vorderen Teil keine andere Straßenseite zu haben.
Mein Blick schweifte über die dort durch Fördergelder des Freistaates erzeugte Brache im Mondlicht. Vom anderen Ende des Geländes hörte ich einige Otter rufen, sicherlich ging es ihnen hier gut, ungestört in diesem seit Jahren unberührten Biotop aus Menschenhand. Bewegt von diesem Naturerlebnis dachte ich an den Investor und ob er wohl ebenso glücklich mit dieser Brache war. Beruhigt ging ich nach Minuten des Verharrens weiter mit dem besänftigenden Gefühl, dass niemand von ihm Geld für den Abriss zurückfordern würde. Die Otter und der Investor konnten also später friedlich in ihren Bettchen schlafen.
Langsam schritt ich weiter in den Teil der Schillerstraße, der tatsächlich zwei Straßenseiten hat. Ich war gerade dabei diese zweite Straßenhälfte zu genießen als selbige sich vor meinen Augen spontan dazu entschloss zu zerfallen. Aus der Dachpartie der Nummer 19 stürzte ein Stein – seine Größe konnte ich aufgrund der Überraschung nicht bestimmen – auf den schon abgesperrten Teil der Schillerstraße und zerstieb in tausend Teile. Die dabei aufgewirbelte Staubwolke – zusammen mit der Beleuchtungssituation und der Brache – ließen die Schillerstraße für Minuten optisch zum Krisengebiet werden.
Es dauerte ein paar Minuten bis ich mich von dem faszinierenden Schauspiel lösen konnte. Ich griff zum Telefon und wählte die 7040. Das ist die Nummer der Polizeiinspektion Hof. Als abgehoben wurde tat ich mein Bestes, den Vorfall zu beschreiben und achtete sehr auf das genaue Beantworten der W-Fragen, also: was, wann, wer, wieso, warum. Also genau so, wie ich das in der Schule gelernt habe. Nach einer kurzen Pause am andern Ende der Leitung kam als Frage zurück: „Bist du das, Micha?“. Den Rest schreibe ich hier nicht.
Nachdem ich meiner Pflicht gegenüber den Ordnungskräften nachgekommen war vielen noch weitere Gebäudeteile in die Schillerstraße, allerdings diesmal ohne viel Staub aufzuwirbeln und somit sank mein Interesse. Ich begann meinen Heimweg fortzusetzen.
Auch andere Stadträte machen Kontrollgänge. Das dient ja auch der Sicherheit. Trotzdem war es überraschend, genau am Ende der Schillerstraße zielgenau in einen dieser kontrollierenden Stadträte quasi hineinzulaufen. Der Kollege war ebenfalls überrascht. Kurz und professionell und ohne die Redezeit zu überschreiten schilderte ich ihm mein Erlebnis.
Der Stadtratskollege war wiederum nicht überrascht von meinen Schilderungen. Er erzählte, dass es schon lange Anfragen an die Stadtverwaltung diesbezüglich gäbe, gestellt von Hausbesitzern gleich neben der Nummer 19. All diese Anfragen scheinen unbeantwortet geblieben zu sein, darüber habe die Presse auch berichtet. Passiert ist nichts.
Hof ist Krisengebiet. Passt auf euch auf!

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