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Jedem seine Hölle

Birgit Lucas von den Grünen irrlichtert im Frankenwald. Natürlich ist eine reaktivierte Höllentalbahn unglaublich viel ökologischer und umweltfreundlicher als das aktuelle An- und Abfahren von hunderten von Tonnen Holz und Holzprodukten täglich mittels Lkw aus den Holzbetrieben im Thüringischen, jenseits der Grenze des Freistaates Bayern. Wer die Verkehrssituation auf Bundesstraßen wie der B 90 erlebt hat weiß, dass dort im Minutentakt schwere Lkw durch kleine Ortschaften und landschaftlich einmalige Gebiete rumpeln, ihre Abgase verteilen und das Leben dort nicht gerade lebenswert machen. Fadenscheinig wird argumentiert, dass es im Höllental einmalige Flora und Fauna gibt. Das ist auch richtig, nur dass diese Flora und Fauna nicht auf der alten Bahntrasse zu finden ist, denn diese ist erst seit 1945 nicht mehr befahren und ist genau nicht der Ort seltener Pflanzen.
 
Die Höllentalbahn-Reaktivierung wäre ein Leuchtturm des Umweltschutzes: eine marktwirtschaftlich agierende Firma will eine Bahnanbindung, weil es für sie schlicht sinnvoll und effizient ist. Die Deutsche Bahn sieht dort auch Potential und setzt die Höllentalbahn auf ihre Reaktivierungsliste. Hof und Bad Steben erhalten dadurch Bahnanbindungen, die die touristische Nutzung des Frankenwaldes ökologisch sauber und nachhaltig gewährleisten. Von einer Steuerverschwendung wie sie Alexander König von der CSU propagandiert ist das weit entfernt.
 
Es ist gut, dass die Entscheidung zur Höllentalbahn keine politische ist. Egal wer sich wie positioniert: nur die Deutsche Bahn entscheidet. Es ist ihre Strecke, die Bahn kann reaktivieren, wie sie will, das politische Tamtam drumherum ist nichts als Wahlkampfgetöse.
 
Wenn etwas politisch angegangen werden muss, dann ist es die Wahrnehmung der Höllentalbahn in Hof. Oberbürgermeisterin Eva Döhla lud zwar zu einer Onlineveranstaltung mit Befürwortern und Gegnern der Höllentalbahn ein, mehr geschah jedoch nicht. Noch nicht einmal eine Positionierung.
 
Die reaktivierte Höllentalbahn hat immense Wirkung auf Hof. Die angedachte Schellenbergspange würde wegen der hohen Neigungen den Güterbetrieb sehr erschweren; gibt es aber den Holzverkehr aus Thüringen, wäre das ein weiteres Argument für die Elektrifizierung der Strecke Hof-Regensburg. Der Bahnhof Neuhof steht mit der Schellenbergspange vor dem Aus, der neue Haltepunkt Hof-Mitte würde jedoch aufgewertet. Die Einbindung einer Schellenbergspange in den Betrieb des Hofer Hauptbahnhofes würde eine komplette sicherungstechnische (also Signale betreffende) Neugestaltung der nördlichen Ausfahrt des Hofer Hauptbahnhofes notwendig machen. Ein Geflecht an Möglichkeiten.
 
Im Hofer Rathaus wird die Reaktivierung der Höllentalbahn als ein „Frankenwaldthema“ betrachtet. Das ist äußerst nachlässig im Sinne einer aktiven Stadtentwicklung. Wie geschrieben: die Bahn wird entscheiden. Wie wir als Stadt Hof damit umgehen, sollten wir entscheiden.

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