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Stream on!

Ich muss es vorwegnehmen: ich bin gar kein richtiger Pirat. Schon lange nicht mehr. So wird es zumindest von etlichen Piraten gesehen, die aber auch keine mehr sind. Will ich einfach mal gesagt haben.

Es ist am 18.03.2021 tatsächlich geschehen: die Stadtratssitzung zur Verabschiedung des Haushaltes der Stadt Hof wurde im Internet gestreamt. Für viele Parlamente in Deutschland ist das Standard, für Hof allerdings ist es eine sensationelle Begehung von Neuland. Technisch hat diese erste Hofer Mondlandung prima funktioniert.

Etwa 85 Endgeräte haben diesen Stream ihren Nutzerinnen und Nutzern auch angezeigt, zumindest teilweise. Als regelmäßiger Live-Nutzer des Hofer Stadtrates stellt sich mir schon hier die Frage, wer sich eigentlich eine Stadtratssitzung freiwillig als Abendprogramm am Laptop gibt. Das Betrachten trocknender Farbe ist im Vergleich oft spannender. Aber das nur am Rande.

Eine ernsthaftere Betrachtung des Nährwertes einer gestreamten Stadtratssitzung lohnt sich aber tatsächlich. Was genau haben die oben genannten 85 Endgeräte denn tatsächlich aus der Haushaltssitzung erfahren? Sie haben vor allem Haushaltsreden gehört. Haushaltsreden bestehen eigentlich nur aus drei Dingen, nämlich dem Bedauern, dem Begrüßen und dem Dank. Man bedauert das Eine und begrüßt das Andere. Dank spricht man der Verwaltung aus. Manche Sprecher nutzen einfach die Gelegenheit zum Reden über Dinge, die mit dem Haushalt rein gar nichts zu tun haben. All das konnten die 85 Endgeräte übertragen.

Ein tatsächlich Interessierter würde fragen wo er denn sehen könnte, was nun genau in diesem Haushalt 2021 der Stadt Hof steht. Er würde fragen, wo es die Infographik über Veränderungen zu sehen gibt und wo man Details der Stadtfinanzen findet. Diese Fragen hat der Livestream nicht beantwortet. Auf der Homepage der Stadt Hof – dann im neuen Redesign – wird der Haushalt wieder als völlig unverständliches PDF online gestellt werden und dort versauern.

Ich bin für das Streamen von Stadtratssitzungen. Gerne jede. Aber zum Thema Transparenz ist ein solches Streamen nur eine Blendgranate. Die eigentlichen Stellschrauben der Transparenz liegen ganz woanders und da spielt es keine Rolle, auf welcher schlechten Plattform der Stream gezeigt wird.

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