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Von blauen Häusern, gesellschaftlichen Aufgaben und vom Gestaltungsunwillen

Adrian Roßner hat – zusammen mit anderen – ein klares Statement für die Erhaltung historischer Bausubstanz in der Stadt Hof abgegeben. Ich danke ihm für dieses längst nötige Fanal.

Historische Architektur hat es schwer in diesen Zeiten. Es ist zur Gewohnheit geworden, dass Wirtschaftlichkeit und Utilitarismus Maxime sind. In einer mckinseyisierten Welt haben Bauten aus einer ganz anderen Vorzeit keinen Wert mehr. Sie sollen weg.

Dem Hofer Hauptbahnhof wurde attestiert, dass er dem Unternehmen Deutsche Bahn AG keinen Nutzen bringt. Das ist auch nachvollziehbar, denn der Deutschen Bahn wurde als Unternehmensziel die möglichst effiziente Beförderung von Fahrgästen und Gütern gegeben und da hat der Unterhalt eines für diesen Zweck unnützen Bahnhofsgebäudes keinen Platz.

Das Gebäude am Theresienstein scheint keinen wirtschaftlichen Wert zu haben. Es ist eines der herausragensten Wahrzeichen von Hof, aber es entzieht sich beharrlich einer wirtschaftlichen Nutzung. Vielleicht entzieht es sich einfach grundsätzlich einer rein wirtschaftlichen Bewertung. Ich kann das Gebäude diesbezüglich verstehen.

Effizienz und Wirtschaftlichkeit, Shareholder Value und Gewinnmaximierung sind Treiber der Entwicklung von Städten. Das mag auch gut so sein, nur lassen diese Grundausrichtungen keinen Platz für Zeitzeugen aus Stein und Mörtel, Schiefer und Holz. Aber sie sind wichtig.

Sie sind wichtig, weil sie einer Stadt ein Gesicht geben. Sie zeigen in einem Quadratmeter Fassade mehr Liebe zum Detail als es Hofer Neubaugebiete pro Quadratkilometer tun. Sie stehen für eine Architektur, die Kunst vor Nutzbarkeit gestellt haben, sogar im Industriebau. Sie sind wichtig, weil sie Geschichte sichtbar machen.

Diese architektonischen Aufwerter können nur überleben, wenn man sie aus der reinen Wirtschaftlichkeitsbetrachtung heraushebt. Und eben das kann nur die öffentliche Hand. Die Kommune muss Wege herausarbeiten, den Eignern dieser Gebäude finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen, diese zu erhalten. Natürlich wird das nicht immer gelingen. Aber manchmal.

Die Stadt Hof muss schnell die untere Denkmalbehörde wirksam aufrüsten. Das bedeutet personellen Aufwand, was aber nicht abschrecken sollte. Es geht schließlich um eine zu schulternde Aufgabe.

Der Vorstoß der SPD zum „Blauen Haus“ ist löblich und findet meine volle Unterstützung, er greift aber zu kurz: das Blaue Haus ist nur ein aktuell medienwirksames Beispiel verschwindender Industriearchitektur. Es braucht aber den großen Wurf, ein Konzept und eine Willenserklärung der Stadt, sich in Zukunft besser um den Erhalt von Architektur zu kümmern.

Völlig verwunderlich ist der Einwurf der Stadträtin Gudrun Bruns. Sie postuliert damit das scheinbar salonfähige Konzept des „politischen Gestaltungsunwillens“; mit der Idee, dass nur private Investoren allein die Möglichkeit hätten historische Bausubstanz zu retten, entzieht sie sich ihrer Aufgabe. Die Aufgabe der Ermöglichung öffentlicher Gestaltung. Ein bemerkenswert niedriger Ansatz.

Historische Bausubstanz muss erhalten werden. Dazu braucht es Gestaltungswillen und Geld aus der öffentlichen Hand. Ich werde mich dafür einsetzen, dass wir zumindest die untere Denkmalbehörde wieder so aufgestellt bekommen, dass sie wirkt.

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