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Stadtratsantrag: Dynamische Pegelsteuerung für den Untreusee Hof

Aufgrund der zunehmenden, klimatisch bedingten Niedrigwasser-Situationen am Untreusee in den vergangenen Jahren wurde von mir ein Antrag zur Neuausrichtung des lokalen Wassermanagements in den Hofer Stadtrat eingebracht. Ziel ist es, die bisherige, statische Regulierung des Gewässers durch ein datenbasiertes System abzulösen.
Die Kernpunkte des Antrags zusammengefasst:

– Digitales Mess- und Steuerungssystem: Implementierung einer sensorgestützten Echtzeitüberwachung (IoT-Pegelsonden), die in Verknüpfung mit meteorologischen Daten eine prädiktive (vorausschauende) Steuerung der Zu- und Abflussmengen ermöglicht.
– Aktive Klimaanpassung: Präventiver Rückhalt von Wasser vor erwarteten Trockenperioden zur Vermeidung ökologischer Schäden (Sauerstoffmangel, Eutrophierung) sowie frühzeitige Schaffung von Stauraum bei prognostizierten Starkregenereignissen.
– Behördliche Kooperation: Konzeptentwicklung und rechtliche Prüfung erfolgen in zwingender Zusammenarbeit mit dem Wasserwirtschaftsamt (WWA) Hof und dem Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU).
– Best-Practice-Orientierung: Nutzung etablierter, erfolgreicher Bewirtschaftungsmodelle als Referenz, wie dem digital gesteuerten Talsperren-Management im Fränkischen Seenland.
Der Antrag zielt auf eine nachhaltige Sicherung der Gewässerökologie, des Hochwasserschutzes und der Naherholungsfunktion ab und plädiert für die Prüfung entsprechender Förderprogramme im Bereich „Smart City / Smart Water Management“.
Der Antragstext:
Antrag an den Stadtrat der Stadt Hof: Einführung einer dynamischen, digital gestützten Pegelsteuerung am Untreusee zur nachhaltigen Sicherung des Wasserhaushalts und zur Klimafolgenanpassung
1. Beschlussvorschlag
Der Stadtrat möge beschließen:
1. Die Stadtverwaltung wird beauftragt, ein Konzept zur Implementierung einer dynamischen Pegelsteuerung am Untreusee zu erarbeiten.
2. Zur Ausarbeitung und rechtlichen Prüfung ist eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe ein-zurichten, die zwingend das Wasserwirtschaftsamt (WWA) Hof sowie das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) einbindet.
3. Im Rahmen der Konzeptentwicklung ist die Nutzung von Fördermitteln für kommunale Klimaanpassungsstrategien oder „Smart City/Smart Water Management“-Programme zu prüfen.
2. Begründung
Die veränderten klimatischen Bedingungen erfordern eine grundlegende Anpassung der bisherigen, statischen Wasserwirtschaft kommunaler Gewässer. Der Untreusee erfüllt als Hochwasserrückhaltebecken und Naherholungsgebiet essenzielle Funktionen für die Stadt Hof, die durch die derzeitige Bewirtschaftungspraxis zunehmend unter Druck geraten.
2.1 Aktuelle Niedrigwassersituation am Untreusee
In den vergangenen Jahren war am Untreusee in den Sommermonaten wiederholt eine kritische Niedrigwassersituation zu verzeichnen. Langanhaltende Trockenperioden und erhöhte Verdunstungsraten führen zu einem sinkenden Wasserspiegel, der weitreichende Konsequenzen nach sich zieht:
• Ökologie: Erwärmung des Wasserkörpers, sinkender Sauerstoffgehalt und steigende Eutrophierungsgefahr (z. B. durch Blaualgen).
• Wassermanagement: Die statische Mindestwasserabgabe in das Unterwasser zehrt in Trockenphasen die Reserven des Sees schneller auf, als der verminderte Zufluss sie kompensieren kann.
Eine rein manuelle und reaktive Steuerung der Stau- und Ablassbauwerke ist nicht mehr ausreichend, um diesen hydrologischen Extremen entgegenzuwirken.
2.2 Nutzung moderner, digitaler Methoden
Ziel ist der Übergang von einer reaktiven zu einer prädiktiven (vorausschauenden) Wasserbewirtschaftung. Dies erfordert den Einsatz moderner Mess- und Steuerungstechnik:
• Sensorgestützte Erfassung: Installation von IoT-Pegelsonden zur kontinuierlichen Echtzeitüberwachung der Zufluss- und Abflussmengen.
• Digitale Modellierung: Verknüpfung der hydrologischen Echtzeitdaten mit meteorologischen Vorhersagemodellen.
• Automatisierte Regulierung: Berechnung von Algorithmen, die eine dynamische Steuerung der Ablassschieber ermöglichen. So kann vor prognostizierten Trockenperioden frühzeitig Wasser retentiert und bei drohenden Starkregenereignissen präventiv Stau-raum geschaffen werden.
2.3 Interbehördliche Zusammenarbeit
Die rechtlichen Rahmenbedingungen eines Gewässers III. Ordnung mit überregionaler Bedeutung bedingen eine zwingende Kooperation mit Fachbehörden. Da die Pegelsteuerung wasserrechtlichen Bewilligungen (Aufstauhöhe, ökologische Mindestwasserabgabe in den Unterlauf) unterliegt, muss die Systematik gemeinsam mit dem Wasserwirtschaftsamt Hof so-wie der Unteren Naturschutzbehörde entwickelt werden. Nur durch diesen interinstitutionellen Ansatz kann eine rechtskonforme Neujustierung der wasserrechtlichen Erlaubnisse auf dynamische Parameter erfolgen.
2.4 Referenz: Gelungene Wasserwirtschaft im Fränkischen Seenland
Als Best-Practice-Beispiel für ein erfolgreiches und dynamisches Wassermanagement in Deutschland (und Bayern) dient das Talsperren-System des Fränkischen Seenlands, insbesondere das Überleitungssystem am Altmühl- und Brombachsee. Dort wird das Wasseraufkommen durch ein hochkomplexes, digitales Messnetz des Freistaates überwacht. Durch die exakte, datenbasierte Erfassung von Zuflüssen, Abflüssen und Niederschlagsprognosen wird der Wasserstand dynamisch so reguliert, dass in Dürreperioden eine gezielte Niedrigwas-seraufhöhung der Fließgewässer (Regnitz/Main) sichergestellt ist, ohne die Gewässerökologie der Stauseen zu zerstören. Diese Methodik der digital gesteuerten Bewirtschaftung lässt sich maßstäblich angepasst hervorragend auf die Anforderungen des Untreusees übertragen.
3. Fazit
Die Einführung einer dynamischen Pegelsteuerung stellt eine notwendige Investition in die Infrastruktur der Stadt Hof dar. Sie schützt die Wasserqualität, sichert die Naherholungsfunktion und optimiert den Hochwasserschutz durch zeitgemäße, datengetriebene Methoden.
Ich bitte um wohlwollende Prüfung und Zustimmung zu diesem Antrag.
Mit freundlichen Grüßen,
Michael Böhm

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